Archiv für den Monat: März 2015

Telemedizin soll Informationstransfer in der Patientenversorgung verbessern

Ministerin Steffens diskutiert mit Vertretern des Universitätsklinikums Münster und der Bundesärztekammer / Studienergebnisse belegen Nutzen in der klinischen Versorgung akuter Notfälle

Münster (ukm/mdr) – Über Kommunikationssysteme für akute Notfälle, Telemedizin und den Notfalldatensatz der elektronischen Gesundheitskarte haben sich in Münster heute Ministerin Barbara Steffens, Vertreter der Bundesärztekammer, der Ärztekammer Westfalen-Lippe sowie des UKM (Universitätsklinikum Münster) und der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ausgetauscht. „Die Telemedizin und die Telematik können gerade in der Notfallversorgung dazu beitragen, dass die wichtigsten Informationen zeitnah dort vorliegen, wo sie gebraucht werden. Das kann Leben retten und wird in jedem Fall die Versorgung entscheidend verbessern“, sagte die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen.

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Bild: Um Telemedizin in der akuten Notfallversorgung ging es heute beim Ministerinnenbesuch am Universitätsklinikum Münster (v.l.): Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wilhelm Schmitz (Med. Fakultät), Prof. Dr. Michael Raschke (UKM), Ministerin Barbara Steffens, Dr. Michael Schwarzenau (Ärztekammer Westf.-Lippe), Dr. Christian Juhra (UKM) und Dr. Johannes Schenkel (Bundesärztekammer).

Prof. Dr. Michael Raschke, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand und Wiederherstellungschirurgie, stellte mit seinem Team die Rettungs-App MA-RIKA, ein seit Mitte 2013 gefördertes Projekt des Landes NRW und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung vor, die zur Optimierung und Unterstützung der Kommunikation zwischen Notdiensten, Leitstellen der Feuerwehr und zertifizierten Krankenhäusern beitragen soll. „Das Ziel ist, den Informationstransfer in der klinischen Versorgung akuter Notfälle zu verbessern“, so Raschke. Der Prototyp der App, die gemeinsam mit der IT-Firma opwoco, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und metacrew Consulting entwickelt worden ist, wurde bereits in Münster getestet und läuft derzeit in einer zweiten Testphase in Steinfurt. Ziel ist die NRW-weite Einführung des Systems für Leitstellen und Rettungsdienste.

Sichere Anwendungen mit hoher Nutzerorientierung gefordert

Ein weiterer im Rahmen von MA-RIKA entwickelter Prototyp einer „Bürger-App“ soll der Bevölkerung Hilfestellungen bei medizinischen Fragestellungen und bei der Suche nach geeigneten medizinischen Einrichtungen geben. Ein Aspekt, den auch Ministerin Steffens für sehr wichtig hält: „All diese Ideen müssen praxisnah sein und für mich ist entscheidend, dass sich die Technik an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientiert.“

Einen großen Nutzen hat – da waren sich alle Vertreter einig – der Notfalldatensatz der elektronischen Gesundheitskarte. Dieser beinhaltet Informationen wie Diagnosen, Allergien, Medikamenteneinnahme oder das Tragen eines Herzschrittmachers. „Das sind Daten, die Patienten im Notfall oft nicht weitergeben können“, erklärte Dr. Johannes Schenkel, Referent Telemedizin der Bundesärztekammer. „Sie können aber lebenswichtig sein, beispielsweise wenn es um die Gabe eines Arzneimittels geht.“ Das UKM, das als eine der wenige Kliniken in Deutschland über eine eigene Stabsstelle Telemedizin verfügt, hat im Rahmen eines Projekts gemeinsam mit der Bundesärztekammer untersucht, welche Informationen der Datensatz für die elektronische Gesundheitskarte zur Unterstützung einer effektiven Notfallversorgung zur Verfügung stellen sollte. „Aus den Ergebnissen geht hervor, dass der Notfalldatensatz ein sehr wichtiges Element zur Verbesserung der Notfallversorgung darstellt“, so Schenkel. „Jetzt ist es die Herausforderung, die Notfalldaten im Versorgungsalltag sicher und störungsfrei zu etablieren.“

Hintergrundinformationen: E-Health-Gesetzentwurf

Der Entwurf für das E-Health-Gesetz (Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendung im Gesundheitswesen) sieht konkrete Fristen für die Vernetzung und Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte vor.
Bis zum 30. Juni 2016 muss die Betriebsgesellschaft Gematik die Telematikinfrastruktur für Arztpraxen, Krankenhäuser und gesetzliche Krankenkassen soweit verfügbar stellen, dass der Versichertenstammdatendienst (Onlineprüfung und -aktualisierung der Versichertenstammdaten) bundesweit möglich ist. Weiterhin ist vorgesehen, dass ein Notfalldatensatz ab Beginn des Jahres 2018 auf der elektronischen Gesundheitskarte verfügbar sein soll.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Kleiderspende für die Kollegen in Osteuropa

Münster – Im Clemenshospital und in der Raphaelskinik müssen die Mitarbeiter ihre Dienstkleidung nicht mehr selber anschaffen, sie wird seit einigen Wochen vom Arbeitgeber gestellt. Mit der Umstellung standen viele Schwestern, Pfleger und Ärzte vor der Frage, was mit den alten Kitteln und Hosen geschehen soll. Zum Wegwerfen oder zum Putzen der Leetze zu schade, lagen sie oft ungenutzt im Schrank. Elisabeth Revering, Kinderkrankenschwester und Praxisanleiterin im Clemenshospital, startete daraufhin in beiden Kliniken einen Aufruf zum Sammeln der Kleidung, um das Ergebnis für einen guten Zweck zu spenden. Über 60 große Kartons kamen auf diese Weise für die Kleiderspende zusammen. „Ich war total überrascht von der tollen Resonanz und großen Hilfsbereitschaft“, berichtet Revering und fügt hinzu, dass die Kollegen neben der Berufskleidung auch noch medizinische Hilfsmittel wie Unterarmstützen, Orthesen und Stiffnecks spendeten. Die randvollen Kartons wurden nun zu gleichen Teilen dem Malteser Hilfsdienst und Pfarrer Franz Lutum von der St. Pankratius-Gemeinde in Emsdetten übergeben. Beide Stellen unterstützen Krankenhäuser in Osteuropa. „Die Malteser senden die Kleidungsstücke an Krankenhäuser in der Ukraine, während Pfarrer Lutum Ambulanzstationen und Altenheimen im ost-rumänischen Iasi die Hilfe zukommen lässt“, sagt Elisabeth Revering und stellt damit klar, dass die Hilfsgüter auf jeden Fall in die richtigen Hände gelangen werden.

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Bild: CLE-RAK_Kleiderspende: Pfarrer Franz Lutum (l.) und Elisabeth Revering mit einem kleinen Teil der gesammelten Kleiderspenden aus dem Clemenshospital und der Raphaelsklinik.

Quelle: © Raphaelsklinik und Clemenshospital Münster

Vortrag über „Muslime im Krankenhaus“

St. Franziskus-Hospital informierte im Rahmen der „Münsteraner Wochen gegen Rassismus“

SFH_Muslime-im-Krankenhaus_24032015Münster – „Wir leben Vielfalt und Respekt!“ Unter diesem Motto beteiligt sich das St. Franziskus-Hospital an den Münsteraner Wochen gegen Rassismus. Aus diesem Anlass fand am Dienstag für die Mitarbeiter des Hospitals und für die Schülerinnen und Schüler der Schule für Gesundheitsberufe ein Vortrag zum Thema „Muslime im Krankenhaus“ statt. Dabei informierten Fadime Eroglu, eine Mitarbeiterin des St. Franziskus-Hospitals und Dialogpreis-Gewinnerin 2014, und Annegret Wolf vom Seelsorge-Team des St. Franziskus-Hospitals über die Gemeinsamkeiten und Besonderheiten des islamischen und christlichen Glaubens und boten Lösungsansätze an für die Herausforderungen, die sich daraus im Krankenhausalltag ergeben.

„Information ist die wichtigste Grundlage für ein gutes Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen“, ist Fadime Eroglu überzeugt. Daher leitet die Muslima regelmäßig Führungen in der Münsteraner DITIB-Moschee und engagiert sich seit 17 Jahren ehrenamtlich im „Christlich-Islamischen Frauenarbeitskreis“ – ein Engagement, für das sie letztes Jahr aus den Händen von Bischof Felix Genn den „Dialogpreis“ entgegen nahm, der jährlich vom Bistum Münster und dem Dialogverlag verliehen wird. Welche Aspekte im Krankenhausalltag besondere Bedeutung haben, weiß Fadime Eroglu aus eigener Erfahrung, da sie seit 2004 im Team der Cafeteria des St. Franziskus-Hospitals arbeitet. „Im Umgang mit muslimischen Patienten kann es den Mitarbeitern im Krankenhaus helfen, die muslimischen Essensvorschriften und bestimmte Traditionen zu kennen – zum Beispiel, dass Frauen möglichst von Frauen untersucht werden“, erklärte sie in ihrem Vortrag.

Annegret Wolf vom Seelsorge-Team des St. Franziskus-Hospitals erläuterte die Berührungspunkte und Unterschiede der Glaubensrichtungen aus christlicher Sicht und ging besonders auf die franziskanische Tradition des Hospitals ein. „Schon der Namenspatron des St. Franziskus-Hospitals, der Heilige Franz von Assisi, setzte sich für Respekt und Wertschätzung gegenüber allen Menschen ein“, führte sie aus. Auch sie findet, dass bessere Information ein wichtiger Schritt für Verständnis und gegen jede Form von Rassismus und religiös bedingten Auseinandersetzungen ist und hat deshalb schon einige Veranstaltungen gemeinsam mit Fadime Eroglu gestaltet. „Damit machen wir sehr positive Erfahrungen“, freuen sich die beiden Frauen, und sie sind sich einig: „Jede Religion ist letztlich ein Ausdruck der Liebe zu den Menschen.“

Quelle: © St.-Franziskus-Hospital Münster

Innovative Methode zur Brustrekonstruktion

Brustzentrum im St. Franziskus-Hospital erfolgreich mit DIEP-Lappenplastik

Münster – Gabriele Kleinehollenhorst ist glücklich: Sie ist die erste Patientin, der am Brustzentrum des St. Franziskus-Hospitals mit einer innovativen Operationstechnik geholfen werden konnte. „’DIEP-Lappenplastik’ heißt diese Methode zur Brustrekonstruktion, bei der Eigengewebe vom Bauch ohne Bauchmuskulatur verwendet wird“, erläutert Dr. med. Philipp Behrendt, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, der bereits über jahrelange Erfahrung in dieser mikrochirurgischen Operationsmethode verfügt und sie jetzt erstmalig auch in Münster durchgeführt hat. Damit ist das Brustzentrum am St. Franziskus-Hospital eines der wenigen in Deutschland, das die ‚DIEP-Lappenplastik“ anbietet. „Wir freuen uns sehr, dass wir damit unser Angebot abrunden können“, sagt Dr. med. Barbara Krause-Bergmann, Chefärztin des Brustzentrums, „und wir hoffen, dass wir damit noch vielen weiteren Patientinnen helfen können, die ihre Brust durch eine Krebserkrankung verloren haben.“

SFH_Brustklinik_DIEP-Lappenplastik

Bild: Das Team des Brustzentrums am St. Franziskus-Hospital freut sich mit Patientin Gabriele Kleinehollenhorst (3. v.l.) über die erfolgreich durchgeführte DIEP-Lappenplastik, v.l.n.r.: Dr. med Barbara Krause-Bergmann, Chefärztin der Klinik für Brusterkrankungen, Corina Neumann, Oberärztin an der Klinik für Brusterkrankungen, Dr. med. Philipp Behrendt, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

Die DIEP-Lappenplastik (Deep inferior epigastric perforator) ist eine Operationstechnik, bei der nur Haut und Fettgewebe vom Bauch der Patientin zur Brustrekonstruktion verwendet wird. „Diese Methode ist schonender als andere Verfahren der Eigengewebsrekonstruktion und besser für die Bauchdecke, weil kein Muskel durchtrennt wird“, erklärt Dr. Behrendt. „Ein weiterer Vorteil ist, dass ein sehr natürlicher Brustaufbau möglich ist“, ergänzt Corina Neumann, Oberärztin der Klink für Brusterkrankungen. Darüber freut sich auch Gabriele Kleinehollenhorst. „Nach zwei Krebserkrankungen und mehreren Brustoperationen ist mein Leidensweg jetzt endlich zu Ende“, sagt die Horstmarerin, „ich bin zufrieden und glücklich.“

Eine Alternative, aber kein Ersatz: Nierenlebendspenden in Münster etabliert

38 von 97 Empfängern am UKM erhalten Niere durch Lebendspende / Transplantationszentrum damit bundesweit auf Rang 2 / Klassische Organspende jedoch weiterhin unverzichtbar

UKM_SuwelackMünster (ukm/jug) – Bei der Organspende gewinnt die sogenannte Lebendspende zunehmend an Bedeutung. So auch in Münster: Im Bereich der Nierenlebendspende hat das Transplantationszentrum am UKM (Universitätsklinikum Münster) im Jahr 2014 deutschlandweit die zweitmeisten Transplantationen dieser Art durchgeführt. Insgesamt erhielten am Zentrum in Münster 97 Patienten eine Niere, davon 38 als Lebendspende. Mehr als 400 Nieren wurden in den vergangenen 30 Jahren am UKM auf diese Weise transplantiert. „Dass sich so viele Patienten dazu entschließen, diesen Eingriff hier am UKM vornehmen zu lassen, spricht für ein großes Vertrauen der Patienten“, freut sich Prof. Dr. Barbara Suwelack, seit 2005 Leiterin der Transplantationsnephrologie in der Medizinischen Klinik D.

Das Vorgehen ist im Transplantationsgesetz genau festgelegt: In Frage kommt die Lebendspende nur, wenn keine Aussicht auf die Organspende eines Verstorbenen besteht. „Aufgrund des Organmangels und der damit verbundenen Wartezeiten von zum Teil mehr als sieben Jahren ist das für einige Patienten auf der Warteliste die einzige Möglichkeit“, erklärt Suwelack, die mit ihrem Team genau prüft, wann und ob eine Lebendspende in Frage kommt. Neben einer umfangreichen Aufklärung und medizinischen Prüfung bestimmter immunologischer Gewebemerkmale von Spender und Empfänger ist eine psychologische Begleitung und Prüfung durch die Transplantationskommission der Ärztekammer notwendig. Gesetzlich zugelassen ist diese Möglichkeit der altruistischen freiwilligen Lebendorganspende darüber hinaus nur zwischen Verwandten und Menschen, die sich persönlich sehr nahe stehen.

„Sind all diese Parameter gegeben, sind die Erfolgsaussichten bei einer Lebendnierentransplantation für den Empfänger sehr gut“, so die Medizinerin. Ein Grund dafür ist die kürzere Ischämiezeit, also der Zeitraum, in dem sich das Organ außerhalb des Körpers befindet und nicht durchblutet wird, da keine Transportwege – teils über Ländergrenzen hinweg – notwendig sind. Auch für den Spender sind die gesundheitlichen Risiken nach bisherigen Erkenntnissen gering. In Münster läuft beispielsweise eine gemeinsame wissenschaftliche Untersuchung der Kliniken für Psychosomatik und Psychotherapie und Allgemein- und Viszeralchirurgie, in der die medizinische und psychologische Nachsorge der Lebendspender, Lebensqualität sowie psychosoziale Gesundheit nach der Spende langfristig beobachtet wird.

„Dennoch sollten wir nicht außer Acht lassen, dass eine Lebendspende nicht für jeden Erkrankten in Frage kommt. Zu viele – nicht nur ältere – Patienten auf der Warteliste versterben und wir benötigen in Deutschland dringend eine höhere Organspende-Bereitschaft“, appelliert Prof. Dr. Barbara Suwelack. Allein in Münster stehen derzeit 588 Patienten für eine Niere auf der Warteliste.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Bluthochdruck: Nicht resignieren, wenn der Blutdruck zu hoch ist

Münster – Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass im höheren Alter jeder zweite Deutsche betroffen ist, allerdings weiß nur die Hälfte der Betroffenen von ihrer Erkrankung. Viele der Betroffenen lassen den Bluthochdruck, Hypertonie genannt, nicht behandeln. Eine gefährliche Entscheidung, da als Folge des zu hohen Drucks auf Dauer Schädigungen des Herzens, des Gehirns, der Nieren und der Gefäße insbesondere der Herzkranzgefäße auftreten können, es drohen Herzinfarkt und Schlaganfall. Wer den Weg zum Hausarzt gewählt hat, wird zunächst auf eine gesündere Lebensweise hingewiesen. Meistens werden zusätzlich Medikamente benötigt. „Es gibt allerdings Fälle, in denen auch die ansonsten gut erprobten Medikamente nicht helfen und der Bluthochdruck einfach nicht in den Griff zu bekommen ist“, erläutert der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I des Clemenshospitals, Prof. Dr. Peter Baumgart.

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Bild: Prof. Dr. Peter Baumgart (l.) demonstriert bei einem Hypertonie-Patienten, wo der Sensor des Barorezeptorstimulators implantiert wurde, der den schweren Bluthochdruck dauerhaft gesenkt hat.

Während noch vor einigen Jahren diesen Patienten kaum geholfen werden konnte, sind seit einiger Zeit operative und nicht-operative Methoden im Einsatz, die der „Schaltzentrale“ im Gehirn falsche Werte vorspiegeln und auf diese Weise für ein Absinken des Blutdrucks sorgen.

Zusätzlich werden im Clemenshospital neue zukunftsweisende Methoden zur Blutdrucksenkung bei schwerer Hypertonie erprobt. Hierbei handelt es sich um Nierenarterien-Denervierung mit fokussiertem Ultraschall, also ohne Katheter- und Röntgentechniken. Diese neue Technik hat sich bei den ersten Patienten als sehr wirksam erwiesen und ist dennoch nicht durch gravierende Nebenwirkungen belastet. Das Clemenshospital ist eines von weltweit 20 ausgesuchten Zentren, in denen dieses Verfahren klinisch geprüft wird. „Viele Menschen ahnen nicht, dass es diese neuen Behandlungsmethoden gibt und resignieren, weil ihre Medikamente keine Wirkung zeigen“, erklärt Baumgart.

Am Dienstag, 31. März, informiert der Chefarzt um 18 Uhr während einer Veranstaltung der „Selbsthilfegruppe Bluthochdruck“ im Clemenshospital über diese modernen Verfahren zur Senkung des Bluthochdrucks. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Neues zum künstlichen Hüftgelenk

Münster – Mit rund 200.000 Operationen pro Jahr ist das Implantieren eines künstlichen Hüftgelenks der häufigste orthopädische Eingriff in Deutschland. Während des zweitägigen Endoprothetikforums auf Gut Havichhorst informierten sich 300 Ärzte aus Deutschland und dem angrenzenden Ausland über aktuelle Neuerungen auf diesem Gebiet und diskutierten kontroverse Themen wie den häufig geäußerten Vorwurf, dass in Deutschland zu schnell und zu oft künstliche Gelenke implantiert werden würden. Tatsächlich nimmt Deutschland in diesem Bereich weltweit eine Spitzenposition ein, aufgrund der öffentlich geführten Diskussion sind die Zahlen in den letzten Jahren leicht rückläufig. Allerdings, so die Experten, seien die Implantate auch nirgendwo so günstig wie in Deutschland. Während ein künstliches Hüftgelenk in Indien zum Beispiel etwa 20.000 Dollar kostet, muss in Deutschland nur rund ein Fünftel dieser Summe auf den Tisch gelegt werden. Was auf der einen Seite der Kostensenkung im Gesundheitswesen dient, kann auf der anderen Seite zu Nachteilen für die operierenden Kliniken führen. So wird dadurch der heimische Markt für viele Hersteller unattraktiver, die Unterstützung bei technischen Fragen läuft zunehmend schleppender.

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung, die jährlich vom Zentrum für Endoprothetik und Gelenkchirurgie der Raphaelsklinik organisiert wird, war die Sicherheit im OP. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine spezielle Checkliste veröffentlicht, die Fehler bei der Behandlung von Patienten im Krankenhaus verhindern soll. So sollten beispielsweise im Krankenzimmer nicht zwei Patienten mit dem gleichen Nachnamen zusammengelegt werden, um Verwechslungen zu vermeiden. Bevor es im OP losgeht, empfiehlt die WHO das sogenannte Team-Time-Out, bei dem alle Anwesenden die Art des Eingriffs und die Identität des Patienten bestätigen. Diese Checklisten sind nicht verpflichtend, haben aber in Studien ihre Wirksamkeit bereits bewiesen. Allerdings müssen geltende Sicherheitsstandards innerhalb des Teams gut bekannt sein, damit zum Beispiel aufgezeichnete Markierungen auf dem zu operierenden Bein nicht falsch interpretiert werden, erläuterten die Experten während des Forums.

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Bild: 300 Mediziner informierten sich während des Endoprothetikforums auf Gut Havichhorst über aktuelle Neuerungen auf dem Gebiet des künstlichen Hüftgelenks.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Essstörungsprävention für Münsteraner Schüler

Münster – Mehr als 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben ein gestörtes Essverhalten. Die Grenze zu einer behandlungsbedürftigen Essstörung ist oft fließend, Prävention deshalb so wichtig. Am 15. und 22. April öffnet die Christoph-Dornier-Klinik Siebtklässlern des Münsteraner Schlaun-Gymnasiums ihre Türen, um sie über Anzeichen von Magersucht und Bulimie, Ansprechpartner und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Weitere Schulkooperationen sollen folgen.

Essstörungen sind ein Problem, das immer mehr Jugendliche in immer jüngerem Alter betrifft. Vorwiegend Mädchen, aber auch Jungen leiden immer häufiger an dem Wunsch, besonders dünn oder besonders muskulös zu sein und geraten hierdurch in eine Essstörung. Häufig ziehen die Betroffenen sich zurück und versuchen ihre Erkrankung zu verstecken. Fällt Familienmitgliedern oder Lehrern eine Veränderung auf und sprechen sie diese an, ernten sie oft Ablehnung. Häufig verleugnen die Jugendlichen die Schwere ihrer Probleme auch. So ist die Erkrankung meist schon weit fortgeschritten, bevor es zu einer Therapie kommt. Und auch hier stellen sich viele Fragen: An wen wendet man sich? Eher an einen Psychologischen Psychotherapeuten in einer Praxis, eine Beratungsstelle oder eine Klinik? Und wenn ja: Welche Klinik ist besonders geeignet? Wer kennt sich mit dem Problem gut aus?

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Bild: Mehr als 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben ein gestörtes Essverhalten. Die Grenze zu einer behandlungsbedürftigen Essstörung ist oft fließend, Prävention deshalb so wichtig.

Die 90-minütige Informationsveranstaltung der Christoph-Dornier-Klinik richtet sich an Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse. Zunächst klärt ein Therapeut der Klinik über Essstörungen auf: Wie entstehen diese? Welche Symptome sind typisch? Warum gehen sie meist nicht von selbst wieder weg? Was kann ich machen, wenn ich selbst darunter leide? Was kann ich tun, wenn ich sehe, dass ein Freund oder eine Freundin darunter leidet? Danach haben die Schülerinnen und Schüler die Chance, mit einem Therapeuten offen über das Thema zu sprechen, Fragen zu stellen, die ihnen unter den Nägeln brennen, und so die Hemmschwelle sowie Ängste vor diesem Thema abzubauen. Die Veranstaltung findet an einem Schultag während einer Doppelstunde statt und wird von einem Lehrer begleitet. Lehrer und Schülervertreter anderer Schulen mit Interesse an einer Kooperation erhalten weitere Informationen unter 0251/48 10-102.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie