Archiv für den Monat: Januar 2015

Genmutation ist die Ursache des Singleton-Merten-Syndroms: Seltene Erbkrankheit in Münster entschlüsselt

Münster (mfm/tw) – Ein internationales Team um den münsterschen Oberarzt Professor Dr. Frank Rutsch (Uniklinik) und seiner Kollegin Dr. Mary McDougall aus Birmingham/Alabama/USA hat die genetische Ursache des Singleton-Merten-Syndroms (SMS) entschlüsselt. Die sehr seltene Krankheit führt etwa zu Zahnausfall, Knochendemineralisierung und Gefäßverkalkung. In Münster sind bisher zwei Patienten behandelt worden.

Bekannt war bereits, dass das Singleton-Merten-Syndrom eine Erbkrankheit ist, die Ursache also in den Genen liegt. Da SMS in gleichem Maße an Jungen und Mädchen vererbt wird, konnte die genetische Ursache nicht auf dem X- oder Y-Chromosomen zu finden sein – die Kombination dieser Geschlechtschromosomen legt das biologische Geschlecht fest. Als Ursprung kam nur eines der übrigen 22 Chromosomenpaare in Frage.

Um die Quelle der Krankheit zu finden, nahmen die Wissenschaftler das Erbgut von fünf SMS-kranken Menschen aus drei Familien und von insgesamt vier gesunden Verwandten unter die Lupe. Bei allen Kranken fand sich eine gemeinsame Mutation im Gen IFIH1, das auch bei anderen schweren Erbkrankheiten eine Rolle spielt. „Das Gen IFIH1 dient als Bauplan für das Protein MDA5“, erläutert Rutsch. „Dieses Protein wiederum ist wichtig für unser Immunsystem, denn es erkennt Viren, die Krankheiten auslösen können. Wenn der Bauplan fehlerhaft ist, funktioniert auch MDA5 nicht richtig – bei SMS-Patienten führt das fehlerhafte Protein zu einem überaktiven, schädlichen Immunsystem.“ Ein Zusammenhang von Zahnausfall und Gefäßverkalkung mit der Funktion von MDA5 konnte damit erstmals nachgewiesen werden.

Rutsch, Mitarbeiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Allgemeine Pädiatrie des Universitätsklinikum Münster, ist Experte für seltene Erkrankungen. Mit seinem Team hat er das Projekt koordiniert, die Familien mit den klinischen Daten zusammengetragen und die Proben zur Untersuchung gesammelt, außerdem wurde in Münster ein Teil der feingeweblichen Untersuchungen und der Auswertungen durchgeführt. Direkt anwendbare Therapieansätze lassen sich aus der Entdeckung der genetischen Krankheitsursache noch nicht ableiten.
Die Forschungsergebnisse erscheinen in der Februar-Ausgabe des American Journal of Human Genetics.

Publikation:
Rutsch et al., A Specific IFIH1 Gain-of-function Mutation Causes Singleton-Merten Syndrome, The American Journal of Human Genetics (2015)

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster

Professionelle Pflege nach einem Schlaganfall

Speziell ausgebildete Stroke Nurses kümmern sich am UKM um Schlaganfallpatienten / Fördernde Pflege als Frührehabilitation

Münster (ukm/vj) – Bei einem Schlaganfall sind eine schnelle Diagnose und Therapieeinleitung entscheidend. Auch die richtige Pflege der Patienten danach spielt für den Genesungsprozess eine wichtige Rolle. Am UKM (Universitätsklinikum Münster) sorgen deshalb speziell ausgebildete Pflegekräfte, sogenannte Stroke Nurses, dafür, dass Patienten nach einem Schlaganfall optimal gepflegt und gefördert werden.

Bereits fünf ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger der Klinik für Allgemeine Neurologie am UKM haben erfolgreich die Weiterbildung zur Stroke Nurse absolviert, zwei weitere starten im Februar 2015 mit der Ausbildung. Dabei erwerben sie in insgesamt 240 Stunden umfangreiche Kenntnisse über die medizinischen Grundlagen von Schlaganfällen, Pflegeplanung und -durchführung sowie therapeutische Konzepte. Nach erfolgreicher Teilnahme werden sie durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft als Stroke Nurse zertifiziert.

Ein wichtiger Ausbildungsbestandteil ist die sogenannte „fördernde Pflege“: Dabei wird der Patienten nach seinen Möglichkeiten z.B. an der täglichen Körperpflege beteiligt, um ihm so nach und nach mehr Eigenständigkeit zurückzugeben. Auf diese Weise beginnt die Rehabilitation nach einem Schlaganfall schon im Krankenzimmer. „Zeit spielt eine wichtige Rolle: Je früher der Patient nach einem Schlaganfall gefördert wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Gehirn den dauerhaften Verlust von Hirnarealen kompensiert und andere Hirnteile deren Funktionen übernehmen“, erklärt Christian Meißner, Stationsleiter der Schlaganfallstation (Stroke Unit).

UKM_Stroke_Nurse

Bild: Stroke Nurse André Krüger überprüft im Beisein der Gesundheits- und Krankenpflegerin Karina Deiters, die im Februar die Stroke-Nurse-Weiterbildung beginnt, bei einem Schlaganfallpatienten die Pupillenreaktion.

Das UKM stellt die Mitarbeiter für die Weiterbildung frei und übernimmt neben den Teilnahmegebühren auch die Kosten für die Anreise und Übernachtungen am Lehrgangsort – insgesamt pro Mitarbeiter etwa 2.000 Euro. Damit alle Patienten von der verbesserten Pflege profitieren, geben die zertifizierten Stroke Nurses ihr Wissen an ihre Kollegen weiter und arbeiten auch neue Mitarbeiter ein. „Die Qualität der Pflege unserer Patienten ist durch diese Fortbildung deutlich gestiegen“, freut sich Meißner.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Organspende rettete Anna Siepert vor 20 Jahren das Leben

Patientin wurde im Januar 1995 transplantiert und ist heute fitter denn je / UKM verzeichnet 500. Lebertransplantation – und unterstützt Studien zu alternativen Therapien

Münster (ukm/mdr) – Zwei kleine Tabletten morgens, zwei kleine Tabletten abends – das ist alles, was Anna Siepert an ihre Lebertransplantation erinnert. Dabei war die Situation für sie vor 20 Jahren lebensbedrohlich: Zwar konnten starke Blutungen im Bauchraum nach einem Sturz zuerst gestoppt werden, führten aber wenige Tage später zu akutem Leberversagen. Im Januar 1995 erhielt die damals 50-Jährige am UKM (Universitätsklinikum Münster) ein neues Organ. Mittlerweile erhileten eine Vielzahl mehr an Patienten in Münster eine Organspende; erst vor wenigen Tagen erfolgte die 500. Lebertransplantation.

Bei Anna Siepert bestimmt dieser oft zitierte zweite Geburtstag aber längst nicht mehr ihr Leben. „Anfangs waren da schon Ängste, ob das gut geht und wie mein Körper mit einem fremden Organ umgeht, denn durchleben wollte ich diese Strapazen kein zweites Mal“, erzählt die 70 Jahre alte Rentnerin. „Aber mir ging es schnell wieder so gut, dass das Thema dann in den Hintergrund getreten ist.“ Kein einziges Mal gab es schlechte Werte bei den Kontrolluntersuchungen in Münster, die mittlerweile nur noch einmal im Jahr notwendig sind. Das alles spricht für zwei Indikatoren: Anna Siepert war damals, abgesehen von der Akutsituation, in einem guten gesundheitlichen Zustand und die Qualität des Spenderorgans – das sagen die Mediziner rückwirkend – stimmte.

Seitdem hat sich viel getan in der Medizin. „Wir sind gerade in einem Umbruch“, sagt Prof. Dr. Hartmut Schmidt, Direktor der Klinik für Transplantationsmedizin am UKM. Damit spricht er nicht nur die rückläufigen Spenderzahlen an, sondern vor allem die alternativen Therapien. „Wir können heute bereits einige Patienten – zum Beispiel mit Hepatitis C – medikamentös so gut versorgen, dass eine Transplantation nicht mehr notwendig ist.“ Der Mediziner ist optimistisch, dass solche Möglichkeiten mittelfristig auch für Patienten mit anderen Erkrankungen zur Verfügung stehen. „Dennoch werden nach wie vor dringend Organspenden für all jene benötigt, deren Leben von einer Transplantation abhängt“, so Schmidt, der mit Sorgenfalten auf die aktuellen Zahlen schaut: 29 Lebern wurden am UKM im vergangenen Jahr transplantiert, 2009 waren es noch 51. Allein in Münster warten aktuell 123 Patienten auf ein solches Organ, bundesweit sind es 1351 (Stichtag 31.12.2014).

Für Anna Siepert sind viele der Diskussionen nicht nachvollziehbar. „Mehr als tot sein geht nicht. Was soll das dann, darüber nachzudenken, nicht zu helfen.“ Überzeugungsarbeit musste sie weder bei der Familie noch bei ihren Freunden leisten. „Bei mir im Umfeld haben durch meine Geschichte alle einen Organspendeausweis. Und das ist auch gut so!“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

150 Studierende übten für den Einsatz im Katastrophenfall

Große Routine beim Aufbau des mobilen Zelthospitals auf dem Leonardo-Campus

Münster – Nach regenreichen Tagen endlich Sonnenschein und blauer Himmel. Darüber freute sich nicht nur Prof. Dr. Joachim Gardemann. Der Leiter des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe an der Fachhochschule Münster hatte gemeinsam mit der Universität Münster und dem Deutschen Roten Kreuz zur Katastrophenfall-Übung eingeladen – und interessierte Münsteraner sowie etwa 150 Studierende waren gekommen. Dazu gehörte auch Niklas Grossmann. „Ich finde das ganze Thema spannend und könnte mir vorstellen, mich auch zukünftig mit humanitärer Hilfe zu beschäftigen“, sagte der CALA-Student im ersten Semester.

In einem der schnell errichteten Zelte des mobilen Krankenhauses berichtete Gardemann in der Shelter Lecture über seine Arbeit im westafrikanischen Kenema und wiederholte eine der Reden, die er sonntags vor seinen 200 nationalen und 34 internationalen Mitarbeitern gehalten hatte. „Die Zuhörer auf dem Leonardo-Campus sollten einmal authentisch erleben, welche psychologischen und philosophischen Fragen sich bei unserer täglichen Arbeit stellten und wie ein Teamleiter mitten im Zentrum der Katastrophe versucht, die Helfer zu trösten und aufzumuntern“, so der Hochschullehrer.

Bei der Praxisübung und den Workshops mit dabei: Claus Muchow, der als technischer Teamleiter in Liberia eine Ebola-Station aufbaute, und Inga Hennig-Finke, Absolventin des Fachbereichs Pflege und Gesundheit, die dort in einem Behandlungszentrum als Krankenschwester im Einsatz war.

Quelle: © Fachhochschule Münster

Osteoporose gezielt behandeln

Facharztvortrag im ATZ informierte über Diagnostik und Therapie

Münster – Der Kampf gegen den Knochenschwund, auch bekannt als Osteoporose, braucht viele Verbündete. Zwei Münsteraner Akteure stellten sich gestern Abend vor: Das Ambulante TherapieZentrum (ATZ, Friedrich-Ebert-Straße 113), wo ab Februar spezielle Osteoporose-Sportgruppen starten werden, war Gastgeber für einen Fachvortrag von Dr. med. Ulrich Frohberger vom Osteoporose-Qualitätszirkel Münster.

„Osteoporose wird oft zu spät erkannt“, erläuterte Dr. Frohberger, „viele Betroffene erfahren von ihrer Krankheit erst durch einen Knochenbruch.“ Insgesamt leiden etwa 7,8 Millionen Menschen in Deutschland unter Knochenschwund, davon 6,5 Millionen Frauen. Jährlich sind etwa 300.000 Knochenbrüche auf Osteoporose zurückzuführen. „Diese Zahl möchten wir deutlich senken“, sagte Dr. Frohberger, der als Vorsitzender des Bundes der Osteologen in Westfalen-Lippe mit 140 Fachärzten gegen die tückische Krankheit kämpft. „Dabei gilt es bei den Betroffenen einerseits, den Abbau von Knochensubstanz zu bremsen, andererseits die Knochenstruktur und –stabilität zu verbessern – durch Medikamente, aber auch durch Veränderungen in der Lebensführung.“ Dabei wirke sich auch Reha-Sport sehr positiv aus, betonte der Orthopäde.

image001

Bild: Steffen Patschorke, Leiter des Ambulanten TherapieZentrums (ATZ) und Orthopäde Dr. Ulrich Frohberger informierten über Diagnose und Therapie der Osteoporose.

In Münster ist das Ambulante TherapieZentrum (ATZ) dafür besonders qualifiziert. Das ATZ ist eine Einrichtung des Zentrum für ambulante Rehabilitation (Grevener Straße). „Grundlage für die Behandlung von Osteoporose-Patienten sind die sorgfältige Aufklärung und ein speziell auf das Krankheitsbild zugeschnittenes Training“, erläuterte Steffen Patschorke, Leiter des ATZ. Zentrales Ziel der Therapie sei es, die Sturzgefahr der Osteoporosepatienten zu reduzieren. „Dies erreichen wir in speziellen Osteoporose-Sportgruppen durch die Kräftigung der Muskulatur und die Verbesserung von Gleichgewicht, Kondition und Koordination“, sagte Patschorke. Anfang Februar startet eine neue Gruppe im ATZ. Anmeldungen sind noch möglich unter tel. 0251/1310842-0 oder per Email, therapiezentrum@zar-ms.de.

Quelle: @ Ambulantes Thearpiezentrum ZAR Münster

Für die Krebstherapie förderlich: Auch krebskranke Kinder bewegen sich gern

Sportprogramm am UKM reduziert Belastungen von Krebstherapie / Umgang mit der Krankheit wird durch Bewegung verbessert

Münster (ukm/vj) – Levon jubelt – 48 Meter weit ist der Zehnjährige mit den Skiern gesprungen. Ob er noch weiter springen kann? Er geht in die Hocke, nimmt Schwung und streckt sich mit viel Schwung schnell nach oben. Die Infusion mit dem Chemotherapeutikum an seinem Arm hat er längst vergessen.

Die Skisprünge, die Levon ohne Pause absolviert, sind nicht real, sondern finden mithilfe einer Spielekonsole in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am UKM (Universitätsklinikum Münster) statt. Sie sind Teil eines speziellen Sportprogramms, das den krebskranken Kindern der Klinik regelmäßig angeboten wird.

„Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, der meistens auch während einer Krebserkrankung vorhanden ist“, sagt Prof. Dr. Joachim Boos, Oberarzt der Klinik. Oft wird dieser Drang aber durch verunsicherte Eltern oder medizinisches Personal unterbunden, um den kleinen Patienten zu schonen – mit negativen Konsequenzen für die Zukunft: Während mittlerweile viele Formen von Krebs bei Kindern heilbar sind, sind es die Spätfolgen der Krankheit, die Medizinern heute Kopfzerbrechen bereiten. „Wir wissen, dass die Kinder durch die Bewegungseinschränkung Selbstvertrauen verlieren und nach ihrer Genesung häufig unter starkem Übergewicht und psychischen Problemen leiden. Um dies bereits während der Krebstherapie zu vermeiden, haben wir das Sportprogramm ins Leben gerufen“, erklärt Boos.

UKM_Sportprojekt_Kinderonokologie

Bild: Haben Spaß an der gemeinsamen Bewegung (v.l.n.r.): Prof. Dr. Heribert Jürgens, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Levon Danielyan, Dr. Miriam Götte, Ella Scholte und Dr. Sabine Kesting.

Neben der Spielekonsole kommen Bälle, kleinere Gewichte, Fitnessgeräte und andere Hilfsmittel zum Einsatz, bewegt wird sich auf der Station, in der Klinikturnhalle oder im Fitnessraum. Auch eine Skifreizeit mit anderen betroffenen Familien einmal im Jahr gehört dazu. Die Sportwissenschaftlerinnen Dr. Miriam Götte und Dr. Sabine Kesting, die das Programm durchführen, besprechen vorab ausführlich die individuellen medizinischen Grenzen für jedes Kind mit diesem selbst, seinen Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten. Damit Sport und Bewegung auch nach dem Klinikaufenthalt für die Kinder möglich sind, stehen die Sportwissenschaftlerinnen im Austausch mit Vereinen und Schulen und beraten zu den Möglichkeiten, die kleinen Patienten wieder in den Sport zu integrieren.

Nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern profitieren von dem Programm, das über die Kinderkrebshilfe Münster e.V. und Horizont – Kinderkrebshilfe Weseke e.V. finanziert wird. „Die Eltern sind positiv überrascht, dass ihre Kinder trotz der Krankheit Sport treiben können. Das fördert den Abbau von Ängsten und verbessert den Umgang mit der Krankheit“, freut sich Boos. Dass seine Skisprünge also auch einen therapeutischen Effekt haben, interessiert Levon allerdings kaum. Ihm geht es wie allen anderen Kindern auch: Es macht ihm einfach Spaß, sich zu bewegen.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Knochenschwund auf genetischer Ebene begegnen: Promotionspreis für Dr. Daniel Umlauf

Münster (mfm/tw) – Lebendiges Todessymbol: Unser Skelett, das wir häufig als „statisch“ und tot wahrnehmen, ist im Wandel – immerzu baut der Körper Knochen ab und auf, um uns fit zu halten und dem Verschleiß des Alltags zu begegnen. Wenn dieser Mechanismus außer Takt gerät, kann das dramatische Folgen für die Gesundheit haben. Der münsterische Mediziner Dr. Daniel Umlauf hat sich mit der Alterskrankheit Knochenschwund (Osteoporose) befasst – und für seine Doktorarbeit, die mögliche neue Behandlungsmöglichkeiten aufzeigt, den Promotionspreis der Medizinischen Fakultät der Universität Münster erhalten.

Unsere Knochen werden permanent durch spezielle Knochenfresserzellen, die Osteoklasten, abgebaut und durch deren Gegenstücke, die Osteoblasten, wieder aufgebaut. Im Schnitt alle zehn Jahre bekommen wir so ein komplett neues Skelett. Der Mechanismus hält die Knochen jung, kann aber zum Problem werden, wenn mehr Knochen ab- als aufgebaut wird. Das passiert häufig bei Frauen, die nach den Wechseljahren zu wenig Östrogen produzieren. Der Mangel führt dazu, dass die Knochendichte sich verringert und die Knochen leichter brechen. Bei Mäusen lösen Wissenschaftler einen solchen Östrogenmangel aus, indem sie ihnen die Eierstöcke entnehmen.

„Wir haben mit Knockout-Mäusen experimentiert“, erläutert Umlauf die Arbeit seines Teams am Institut für experimentelle muskuloskelettale Medizin: „Das sind Mäuse, bei denen ein bestimmtes Gen ausgeschaltet worden ist – in unserem Fall das Gen, das für die Produktion des Proteins TRPC1 verantwortlich ist.“ Das Ergebnis der Experimente: Die Knockout-Mäuse verlieren weniger Knochenmasse als ihre genetisch intakten Artgenossen, wenn beide Mäusegruppen unter Östrogenmangel leiden.

Die Erklärung: Ein Osteoklast – also eine Knochenfresserzelle – besteht aus bis zu mehr als 20 Vorläuferzellen. Je mehr dieser großen Osteoklasten es gibt, desto mehr Knochenmaterial kann resorbiert werden. Bei den Knockout-Mäusen ist die Bildung großer Osteoklasten mit mehreren Zellkernen gestört: „Wenn eine Maus kein TRPC1 produziert, wandern die Zellen langsamer und weniger, außerdem verschmelzen sie seltener. Der Knochenschwund ist dadurch geringer.“ Die Untersuchungen zur Zellwanderung führte Umlauf am Institut für Physiologie II unter Leitung von Prof. Albrecht Schwab durch. Falls sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, könnte das langfristig neue Osteoporose-Behandlungen ermöglichen, indem TRPC1 gezielt blockiert wird.

Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wird bereits seit vielen Jahren vom forschenden Pharmaunternehmen Pfizer gestiftet. Fortschritte in der Grundlagenforschung sind die Basis für die Entwicklung neuer Therapien für weit verbreitete und altersassoziierte Erkrankungen wie die Osteoporose und deshalb auch aus Sicht des Unternehmens von elementarer Bedeutung: „Die Lebenserwartung in unserer Gesellschaft ist heute nicht zuletzt dank einer guten medizinischen Versorgung so hoch wie nie zuvor. Doch das stellt uns auch vor neue Herausforderungen“, sagt Prof. Christof von Eiff, medizinischer Leiter bei Pfizer in Deutschland. „Engagierte junge Forscherinnen und Forscher wie Dr. Umlauf tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, diesen Herausforderungen zu begegnen. Wir sind stolz, dass wir dieses Engagement unterstützen können.“
Der Preis wurde bei der Promotionsfeier der Fakultät überreicht. Für Umlauf, der derzeit als Assistenzarzt in Dortmund arbeitet, ist er nicht die erste Auszeichnung durch die Medizinische Fakultät: Schon 2012 gewann der gebürtige Oelder beim „Science Day“ der Fakultät einen Award zum gleichen Forschungsthema. Außerdem war Umlauf Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster

Bestnoten für das Brustzentrum am St. Franziskus-Hospital

Patientenbefragung belegt höchste Zufriedenheit mit der Versorgung

Münster – Die Patientinnen des Brustzentrums am St. Franziskus-Hospital gehören zu den zufriedensten in NRW: Das ist das Ergebnis einer Befragung, die im Auftrag des Landesministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter durchgeführt wurde. „Wir freuen uns sehr darüber, dass unsere stationären Patientinnen uns in der Gesamtbeurteilung zu den bestplatzierten Brustzentren im Land NRW zählen. Die gute Bewertung führen wir auch darauf zurück, dass uns die Gespräche mit den Patientinnen wichtig sind und wir uns dafür Zeit nehmen. Wir wollen die betroffenen Frauen in die Lage versetzen, den Behandlungsverlauf gemeinsam mit uns zu entscheiden und zu gestalten“, erläutert Dr. Barbara Krause-Bergmann, Chefärztin des Brustzentrums am St. Franziskus-Hospital Münster.

Diese Bemühungen scheinen die Patientinnen anzuerkennen: Bestnoten im obersten Fünftel erhielt das Team des Brustzentrums nämlich zum Beispiel bei der Kommunikation der Ärzte und Pflegekräfte mit den Patientinnen: Hier fühlten sich die meisten der Befragten gut über ihre Erkrankung, die Diagnostik und Therapie informiert und in den Entscheidungsprozess aktiv eingebunden. Sowohl die Zuwendung der Fachärztinnen, Fachärzte und der Pflegekräfte als auch die Leistungen der beratenden Instanzen wie dem Sozialdienst oder der Psychoonkologie wurden überdurchschnittlich beurteilt. Auch rund um die Entlassung, die in der Regel nach drei bis sechs Tagen Aufenthalt erfolgt, gehört das Hospital laut Befragung der im Durchschnitt zwischen 55 und 60 Jahre alten Patientinnen, zu den besten im Land.

Hennecke

Bild: Patientengespräche, wie es hier im Bild Maria Hennecke, Pflegeexpertin für Brusterkrankungen führt, sind wichtiger Bestandteil der Versorgung im Brustzentrum am St. Franziskus-Hospital.

Die Ärzte und Pflegekräfte in den Behandlungsteams verfügen über langjährige Erfahrung und bilden sich stets weiter, zuletzt haben Fachärztinnen zum Beispiel in der Psychoonkologie Kompetenzen erworben, andere Fachärztinnen haben ihren Schwerpunkt im operativen Bereich oder in der Ultraschalldiagnostik. Zudem arbeiten im Brustzentrum gut vernetzt die Kliniken für Radiologie und Nuklearmedizin sowie die Onkologie am St. Franziskus-Hospital und die Strahlentherapie zusammen, die schnell und zuverlässig Diagnosen stellen und Therapien vornehmen sowie in den Tumorkonferenzen gemeinsam individuelle Behandlungsempfehlungen entwickeln“, betont Dr. Krause-Bergmann.

Das Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitations-wissenschaft der Universität Köln hatte die Befragung der Patientinnen aller 52 Brustzentren in NRW zwischen April und Oktober vorgenommen. Für das Brustzentrum am St. Franziskus-Hospital haben im Erhebungszeitraum rund 120 Patientinnen teilgenommen, die sechs Wochen nach Entlassung aus einem stationären Aufenthalt den sehr umfangreichen Fragebogen ausfüllten. 2014 ist das erste Jahr, in dem das Brustzentrum am St. Franziskus-Hospital als eigenständiges Brustzentrum besteht.

Quelle: © St.-Franziskus-Hospital Münster